„You never think it will happen to you.“

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„You never think it will happen to you.“

Mit diesen Worten beginnt die 22 jährige Isobel ihren offenen Brief bei Facebook, sie war in der Konzerthalle in Paris und hat überlebt.

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Ich war Freitag Downtown unterwegs, wir haben Kaffee getrunken, ein paar Besorgungen gemacht, als meine Mama mir schrieb, was passiert ist. Und auf einmal war meine noch vor Sekunden bestehende gute Laune verflogen. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Ist es aber nicht. Jeder von euch weiß, was da in Paris am 13.11.2015 passiert ist. Freitag, der 13. Man denkt an nichts böses, das Fußballspiel verlief ganz normal, zwischendurch kann man Schüsse hören. Vielleicht Fans, die Pyrotechnik anzünden und in die Luft schießen. Nein. Viel schlimmer. Terroranschläge an mehreren verschiedenen Orten in Paris, gleichzeitig. Attentäter sprengen sich in die Luft, reißen unschuldige Menschen mit in den Tod, bewaffnet mit Maschinengewehren stürmen sie unter anderem einen Konzertsaal und schießen blind um sich. An Grausamkeit nicht zu übertreffen. Kein Terroranschlag in dieser Welt ist an Grausamkeit zu übertreffen. Am gleichen Tag geht in Beirut im Libanon eine Bombe hoch. Was passiert da in unserer Welt?

Ich habe mich in den letzten Tagen viel damit beschäftigt, mir während des Anschlags fast minütlich die neusten Berichte durchgelesen, während die Zahl der Toten mehr und mehr stieg. Obwohl es mir gut geht, ich nicht in Paris bin oder war und auch niemanden verloren habe, trauere ich unglaublich mit. Ich will und kann nicht begreifen, was für Menschen zu so etwas fähig sind. Man will und kann sich nicht vorstellen, wie es all den Menschen geht, die an diesem Tag Teil des Attentats waren. Während ich also dort im Café saß, wurden Menschen in Paris grausam ermordet, Menschen, die nichts mit alldem zu tun haben. Zu dem Zeitpunkt war noch unklar, wer mit den Anschlägen zu tun hatte. Ich hatte da so eine Ahnung… Die dann leider später auch bestätigt wurde.

Der Islamische Staat wollte sich für den französischen Militäreinsatz in und um ihren Staat und für die Bloßstellung und Lästerung über Mohammed im französischen Satiremagazin Charlie Hebdo rächen. Das macht Angst. Zu Recht. Mehrere Anschläge an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit. Das klingt so unwirklich. Ich sehe im Zusammenhang mit den Terroranschlägen eines immer wieder durchdringen, weswegen ich diesen Post auch verfasst habe: Rassismus. Gegen Muslime, gegen den Islam, ihre Religion. Türken, Araber, Syrer und sämtliche Menschen mit islamischem Hintergrund werden für das verantwortlich gemacht, was der Islamische Staat getan hat und weiterhin tut. Sie werden zum Sündenbock gemacht, weil sie „auch dazu gehören“. Ich sehe das anders. Ich gebe euch jetzt einen gut gemeinten Rat und ich sage das nicht, um diejenigen zu verärgern, die anderer Meinung sind, sondern weil ich manch unüberlegte, sinnfreie Aussagen über Flüchtlinge oder Religion einfach nicht mehr hören kann: Bevor ihr urteilt, informiert euch über das, was ihr da eigentlich sagt, denkt zuerst darüber nach und sprecht es dann erst aus. Viele laufen blind durch die Gegend, suchen jemanden, den sie dafür verantwortlich machen können, sind wütend und traurig über das grausame Schicksal hunderter, tausender Menschen und merken dabei gar nicht, dass sie die Falschen dafür zur Rechenschaft ziehen. Fakt ist: All das – und damit meine ich Terrorismus – ist so sinnfrei. Und doch geschieht es.

Ich lese momentan ganz viel: „Dieser weitere Terroranschlag darf uns keine Angst machen, darf uns nicht einschränken, wir müssen stärker sein!“. Macht es uns Angst? Natürlich. Aber was wäre es denn für ein Leben, wenn wir nun nicht mehr in andere Länder reisen würden, wenn wir uns nicht mehr zu öffentlichen Veranstaltungen, in Restaurants trauen würden, uns nicht mehr trauen würden, vor die Tür zu gehen, aus Angst vor einem weiteren Terroranschlag? Indem sie immer wieder Zivilisten auf brutalste Art und Weise bei einem Anschlag töten, versuchen Terroristen genau das zu bewirken: Angst. „Wir leben von der Angst unserer Feinde.“ Aber was wäre das für ein Leben? Ein Leben in ständiger Angst? Kein lebenswertes Leben. Was in Paris und Syrien passiert ist und immer noch passiert ist schrecklich, doch wie viele Opfer dieses Anschlags, die überlebt haben, sagen: Lasst euch dadurch keine Angst machen. Wir sind stärker.

Was habt ihr, die sich über die Flüchtlinge in euren Ländern aufregen, davon, so hasserfüllt über andere Menschen zu denken und zu reden und sogar mit Taten zu zeigen, wie viel Verachtung ihr für sie empfindet? Das, was in Paris passiert ist, zeigt die alltägliche Situation in Syrien oder im Irak. Die Menschen flüchten nicht weil sie das Leben in Syrien so nett war und sie es in Deutschland noch ein Stückchen schöner erwarten. Die Menschen flüchten, weil ihnen der Tod tagtäglich auflauert, weil sie die Grausamkeit des Islamischen Staats und ihres Präsidenten hautnah miterleben und spüren.

Eine Frage schwirrt mir dabei ständig im Kopf herum: Warum beschäftigt mich das erst jetzt? Dass Kriege in Syrien stattfinden ist doch nichts Neues. Dass dieser Staat existiert und sich an der westlichen Welt rächen will ist doch nichts Neues. Dass Menschen aus Angst vor dem Tod in andere Länder flüchten ist doch nichts Neues. Erst, wenn es näher kommt, wenn die Gefahr droht, dass bald auch unser Land angegriffen wird, wenn man sieht, wie schnell so etwas gehen kann – dann kriegt man Angst. Ich hoffe, dass sich vielleicht mehr Menschen endlich damit befassen und nicht noch weiterhin Hass den Flüchtlingen entgegenbringen. Denn vielleicht versteht ihr jetzt, durch die Anschläge in Paris, warum so viele Menschen aus Syrien in euer Land kommen: diese Szenen sind für sie Alltag.

Das was in Paris passiert ist, ist schrecklich. Es zeigt uns einmal mehr, zu was für grausamen Taten Menschen fähig sein können. Es zeigt uns einmal mehr, wie groß der Zusammenhalt in unserer Welt ist. Wie groß die Solidarität ist. Es zeigt uns einmal mehr, wie viel Glück sehr viele unter uns haben, die einen solchen Anschlag nie miterleben mussten und ein glückliches Leben führen. Es zeigt uns einmal mehr, dass das Leben jeden Augenblick vorbei sein kann, egal durch welche Umstände und dass man deshalb jede einzelne Sekunde genießen sollte. Es zeigt uns einmal mehr, wie glücklich wir uns schätzen können.

Gestern waren wir wieder in Downtown spazieren und haben entdeckt, dass die Kunstgalerie in der Nähe des Parliament Buildings in den Farben der französischen Flagge erstrahlt und direkt vor dem Parliament Building waren mehrere Kränze mit Kerzen dazwischen aufgestellt. Ich find es schön, zu sehen, dass so viele Länder, Städte und Menschen mitfühlen und man dadurch sieht, dass wir eins sind. Dass die Nationen zusammen halten. Und genau das macht uns stark und sie schwach: unser Zusammenhalt.

Ich wünsche Paris, dem nahen Osten, der Welt Frieden und Stärke. #prayforparis #prayfortheworld

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„You never think it will happen to you.“

These are the words with which the 22nd-year-old Isobel begins her open letter at Facebook – she was in the concert hall and survived.

I was strolling through downtown, we had coffee and did some shopping when my mother texted me what happened. Suddenly my good mood disappeared. This isn’t real, I thought to myself. But it is. Every one of you knows what happened in Paris on 13th November 2015. You don’t expect something bad to happen. During the game there are some sounds of shots. Maybe some fans who fire some pyrotechnics. No. Much worse. Terror attacks at different locations in Paris at the same time. Assassins blew theirselves up and killed many innocent people. Some of the terrorists were armed with machine guns and fired indiscriminately in a concert hall. You cannot imagine this cruelty. At the same day a bomb exploded in Beirut in Lebanon. What is going on in our world?

This topic busied me in the last couple of days and I read the newest reports nearly every minute during the attacks while the number of dead people rose more and more. Although I’m fine and I wasn’t in Paris at this day and didn’t loose someone, I’m incredible sad about what happened. It is hard for me trying to realize how human beings are able to do that. I cannot imagine how the people feel who were involved in the attacks. While I was sitting in the café drinking my coffee, innocent people were killed. At this point of time the news didn’t reveal who is responsible for this because they had no clue but I had an idea… which was approved later on.

The Islamic State wanted to take revenge for the French military intervention in and around their state and the heresy about Mohammed in the French satirical magazine Charlie Hebdo. This causes fear. Obviously. Several attacks happened at different places at the same time. This sounds unreal. In the context of the terroristic attacks there is one topic, which resurfaces all the time: racism. Racism against Muslims, the Islam, against their religion. Turks, Arabs, Syrians and altogether humans with Islamic background are made responsible for what the Islamic State did and does. They get scapegoated because “they are all the same”. I want to give you a piece of advice now and I don’t say that because I want to provoke the people who have a different opinion. I say that because I’m sick of listening to some stupid statements about refugees or religion of some of you: Inform yourself about what you are saying before you judge, think about it and then voice it. Many of us just look for someone they can make responsible for what happened, they are angry and sad about the fate of hundreds, thousands of humans and don’t recognize that they blame the wrong people. Terrorism is so senseless. But it happens.

I currently read a lot of the following sentences: “This terror attack shouldn’t scare us, it makes us even stronger!”. Is it scaring us? Of course. But what kind of life would it be if we wouldn’t travel, go to public events, to restaurants? Imagine if we would be afraid to go out because we’re too frightened of a terror attack? But this is exactly what they want to reach: fear. In an interview an IS fighter said: “We live from the fear of our enemies”. But what kind of life would that be? Not a liveable life. What happened in Paris and what happens in Syria nearly everyday is terrible, but as many victims of the attacks state: Don’t be frightened. We are stronger.

But what does the future look like?

What is the matter with you, who complain about the refugees in your country, to talk and think so hateful of other people and even show them how much hate you feel for them? What happened in Paris shows what happens daily in Syria and Iraq. The refugees don’t escape from their own country because it was so nice there and they hope that for example Germany would be a little nicer. They fear death everyday because they experience and feel the cruelty everyday.

There is something that crosses my mind everyday since the attacks: Why now? Everything that happened is not new to me, to us: the war in Syria, that this state takes revenge, that humans escape from their own country. Only when it comes closer, when it’s more dangerous and possible that our country can be attacked, too, people start thinking about it. I hope that more of you busy yourself with it and don’t hate refugees for coming into your country anymore. Because what happened in Paris shows their daily situation.

What happened in Paris is terrible. It should remind us how cruel human beings can be. It should remind us how important it is to stick together as a nation and how huge the solidarity is in our world. It should remind us how lucky some of us are that we never experienced such a terror attack. It should remind us how lucky we are and how blessed we are with our life. It should remind us that we should enjoy every second of our life because it can end any second through any circumstances. It should remind us to appreciate life.

Yesterday we went for a walk through downtown again and saw that the art gallery was shining in the colors of France and coronals were lying in front of the Parliament Building with candles beside it. It was beautiful to see that so many countries, cities and people empathize. This is what makes us strong: our solidarity.

I’m praying for Paris, the Middle East and I desire peace and strength for the world. #prayforparis #prayfortheworld

 

 



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