#lifeofaflightattendant

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Ich sitze im Flugzeug. Die Flugbegleiter begrüßen einen an Board. „Wie ist es wohl, beruflich ständig in der Luft zu sein zu zu reisen?“, frage ich mich jedes Mal.

Diese und viele weitere Fragen hat mir Caro beantwortet. Sie ist 25 Jahre alt und ist seit zwei Jahren hauptberuflich leidenschaftliche Flugbegleiterin bei der Lufthansa in Frankfurt. Nach ihrem Abitur (wodurch wir uns kennen) hat sie angefangen, Jura zu studieren. Nachdem sie gemerkt hat, dass der Studiengang doch nichts für sie ist, hat sie ihn abgebrochen und brauchte einen radikalen Tapetenwechsel. Caro wollte raus in die Welt, was sehen, reisen. Sie hat sich überlegt, wie sie sich das finanzieren kann, um ihren Plan umzusetzen, aber gleichzeitig auch Geld zu verdienen. Und so kam sie relativ spontan und zufällig zum Fliegen.

Sarah: Was hast du in deiner Ausbildung zur Flugbegleiterin gelernt?

Caro: Die Ausbildung hat drei Monate gedauert. Zuerst stand das wohl wichtigste Thema, die Sicherheit, im Fokus. Wir haben ein intensives Emergency Training bekommen, haben gelernt, wie man ein Flugzeug evakuiert, wie man Brände löscht und wie man mit heiklen Situationen an Board umgeht. Nach diesem Einstieg haben wir uns dann mit verschiedenen Servicemodulen befasst, in denen man zum Beispiel lernt, wie man die verschiedenen Servicebereiche in der Economy- und Businessclass umsetzt.

Sarah: Wie lange bist du zu einem Ziel unterwegs und wie lange bleibst du dort, bis du wieder zurückfliegst? 

Caro: Es kommt natürlich ganz auf das Ziel an. Als nächstes fliege ich mal wieder nach Singapur – eine meiner Lieblingsstädte, deshalb freue ich mich auch schon sehr darauf. Da fliegt man ca. 12 Stunden hin und knapp 13 Stunden wieder zurück. Nach dem Hinflug haben wir dann zwei Nächte vor Ort und fliegen Nachts wieder zurück.

Sarah: Das bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage: Wenn ich an deinen Beruf denke, kommt mir direkt der Gedanke: Ganz viel reisen und sehen, eben auch genau der Grund, warum du Flugbegleiterin geworden bist. Ist es genauso traumhaft, wie man sich das vorstellt? 

Caro: Es ist natürlich davon abhängig, wie viele Tage man vor Ort hat. In Singapur habe ich beispielsweise jetzt zwei volle Tage und zwei Abende, die ich nutzen kann. Da nehme ich mir schon vor, rauszugehen und was zu unternehmen und das mache ich in der Regel auch. Es gibt aber auch Ziele, wo man gar nicht so das Bedürfnis hat, rauszugehen. Zum Beispiel, weil die Sicherheitslage nicht so super ist, oder wenn man schon öfter in der Stadt war. Manchmal ist man natürlich auch einfach müde und braucht Entspannung, auch das gönnt man sich dann mal. Das ist aber eher selten. Eigentlich versuche ich immer, zumindest zum Essen rauszugehen und einen Spaziergang zu machen.

Sarah: Wo warst du denn bisher am liebsten, was sind die schönsten Orte für dich, an denen du bisher warst?

Caro: Das ist super schwer (lacht). Ich muss sagen, dass mich besonders asiatische Großstädte, wie Hongkong, Shanghai, Peking oder Singapur, aber auch Kuala Lumpur, begeistern. Es sind einfach sehr interessante, exotische und vielfältige Städte, in denen man einfach tolles Essen bekommt und auf so viele unterschiedliche Menschen trifft.

Sarah: Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich war noch nie im asiatischen Raum, möchte aber unglaublich gerne mal hin. Wann weißt du denn immer, wo du hinfliegen wirst? 

Caro: Ich habe auf jeden Fall die Möglichkeit, zu einem gewissen Anteil darauf Einfluss zu nehmen. Ich habe ein Mal pro Monat vier zusammenhängende freie Tage, die ich mir für den Folgemonat wünschen kann – das klappt auch in 95% der Fälle. Außerdem kann ich Wünsche abgeben, an welche Ziele ich fliegen möchte, die verschiedene Prioritäten haben. Der Hauptwunsch wird eigentlich immer gewährt. Am 27. des Monats bekomme ich dann eine verbindliche Planveröffentlichung, durch die ich dann weiß, wie mein nächster Monat konkret aussieht. Ein kleiner Exkurs: Wir haben verschiedene Flugzeugmuster, für die wir eben auch verschiedene Zertifikate haben und benötigen (dabei geht es um die Emergency Schulungen). Davon hängt eben ab, an welche Ziele wir fliegen dürfen. In der Hinsicht ist man natürlich auch etwas gelenkt, da die verschiedenen Flugzeugmuster auch unterschiedliche Ziele anfliegen. Ich bin jetzt öfter im A380 mitgeflogen und wollte nun mal wieder im A340 mitfliegen. Außerdem wollte ich mal wieder drei Tage am Stück unterwegs sein, deshalb fliege ich zum Beispiel nach Detroit. Dabei habe ich viele Flugstunden für wenige Einsatztage, was auch ganz gut mit meinen Freizeitplänen übereinstimmt. Es ist eben nicht nur so, dass ich mir bestimmte Ziele wünsche, damit ich vor Ort viel sehe, sondern dass ich meine Freizeit hier zu Hause auch ein bisschen besser planen kann.

Sarah: Apropos Freizeit: Wie gestaltet sich dein Alltag dadurch, dass du Flugbegleiterin bist? Bist du dadurch eingeschränkt?

Caro: Ich würde einfach sagen, dass vieles spontaner ist. Wenn ich mich zum Beispiel mit Freunden treffe, die auch FlugbegleiterInnen sind, dann ist es oft ein spontanes „Na, bist du gerade auch in der Stadt?“. Aber meine Freunde und Familie wissen ja auch, dass ich nicht jeden Tag da bin. Wenn ich dann aber hier bin, habe ich auch sehr viel Zeit und bin  überhaupt nicht eingeschränkt. Es ist einfach ein anderes planen, ich würde auf gar keinen Fall sagen, dass es schlechter ist. Einfach anders.

Sarah: Wie oft fliegst du ca. in der Woche? 

Caro: Es ist schwierig, das pauschal zu sagen. Zum einen gibt es saisonale Schwankungen, das heißt, im Winter fliegen wir generell weniger, als im Sommer. Ich hatte jetzt zum Beispiel im Januar drei Wochen Urlaub, weil nicht so viel Bedarf war, im Sommer hingegen ist es ganz normal, Überstunden zu machen.

Sarah: Ist fliegen für dich eigentlich schon zum Alltag geworden?

Caro: Ich muss sagen, ich finde es noch jedes Mal toll, wenn ich im Flieger sitze, obwohl es seit zwei Jahren mein Beruf ist. Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn wir abheben, ich aus dem Fenster schauen kann, oder einen tollen Sonnenaufgang sehe, oder auch mal beim Start und bei der Landung im Cockpit bin. Auch, wenn ich privat fliege, schaue ich jedes Mal aus dem Fenster und verfolge alles sehr gespannt. Ich habe da einfach eine richtige Leidenschaft für und bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, dass so schwere Geräte einfach in die Luft abheben. Ich bin einfach nicht mehr so nervös. Wenn ich arbeite, habe ich einfach eine gute Routine entwickelt, es wird aber trotzdem niemals langweilig.

Sarah: Wie läuft dann ein ganz normaler Arbeitstag für dich ab? 

Caro: Wenn ich an der Lufthansa Basis in Frankfurt angekommen bin, geht mein erster Weg zum Flugbegleiter Terminal. Dort checkt man sozusagen mit seiner Identifikationskarte ein und bekommt seine Unterlagen für den Flug. Darin steht zum Beispiel, wie viele Passagiere an Board sind, was für ein Servicekonzept es an Board geben wird, was es für Besonderheiten am Zielort gibt, Zollbestimmungen und so weiter, eben alles, was man beachten muss. Dann geht man zu den Briefingräumen, wo man dann auch das erste Mal auf die Kollegen trifft, mit denen man fliegen wird. Da lernt man sich dann kurz kennen, denn oft fliege ich mit Kollegen, die ich vorher noch gar nicht kannte, weil wir so viele sind. Die Crew wird immer wieder neu zusammengewürfelt. Dann gibt der Purser für den Tag das Briefing, spricht nochmal alles mit uns durch, fragt Emergency Fragen ab, sodass man jedes Mal nochmal darauf vorbereitet wird, was für Situationen auftreten könnten und wie man sich dann verhält. Wir haben bestimmte Kommandos und Procedures, die wir einhalten müssen und das wird dann einfach alles nochmal ein bisschen aufgefrischt. Dann kommen die Piloten dazu und geben nochmal die letzten Informationen zum Wetter und zur Flugzeit und dann gehen wir alle gesammelt zur Passkontrolle und zu den Crewbussen und fahren dann zum Flugzeug. Da haben wir auch nochmal ein paar Aufgaben haben, die vor dem Start erledigt werden müssen. Zum Beispiel checken wir jedes Mal, ob das Emergency Equipment auch da ist, ob unter jedem Sitz eine Schwimmweste ist, dass überall Feuerlöscher vorhanden und voll sind. Dann wird natürlich geschaut, was wir für eine Beladung an Board haben, also wie viel Essen und ob auch genügend Kissen und Decken zur Verfügung stehen. Einfach, ob der Flieger bereit ist, abzuheben.

Sarah: Was ist das Verrückteste, dass du jemals an Board erlebt hast? 

Caro: Puh, da muss ich jetzt echt mal überlegen. So Kleinigkeiten passieren natürlich immer wieder mal, die sind aber eigentlich kaum der Rede wert. Ich hatte mal einen Flug aus den USA, wo zwei Herren eingestiegen sind, die stark alkoholisiert waren. Schon beim Einsteigen haben sie ständig Sprüche gemacht, haben die weiblichen Gäste körperlich und verbal belästigt und sind torkelnd zu ihrem Sitz gelaufen. Du weißt dann, dass du die nächsten 10 Stunden mit denen verbringen musst und man weiß auch nie, wie sich so eine Situation entwickelt. Gerade, wenn die Gäste einsteigen, versucht man schon, die Stimmung einzuschätzen und wie die Leute so drauf sind und da war es dann tatsächlich so, dass der Kapitän kurzen Prozess gemacht hat und die beiden dort gelassen hat. Da bin ich dann wirklich froh, dass wir Hand in Hand mit dem Boden und dem Kommandanten zusammen arbeiten, dass man solche Situationen in der Luft vermeidet.

Sarah: Gab es mal eine Situation in der Luft, in der du Angst hattest? 

Caro: Ich hatte jetzt schon viele Flüge, auf denen ich auch Turbulenzen hatte. Aber ich hatte eigentlich nur einen Flug, auf dem ich kurz Angst hatte. Wir waren im Landeanflug und mussten durch eine Gewitterfront. Dabei hatten wir auch einen Blitzeinschlag in das Flugzeug. Das ist eigentlich gar nicht so unüblich, das passiert schon ein paar Mal pro Jahr und es ist auch nicht so gefährlich. Es fühlt sich einfach nur sehr unangenehm an, weil es auf einmal unglaublich laut und hell wurde und durch das Gewitter hat das Flugzeug eben auch stark gewackelt und ist immer wieder abgesackt. Dazu saß ich auch noch hinten im Flugzeug, wo man das ganze natürlich auch nochmal stärker spürt, als vorne. Was mich aber dann schnell beruhigt hat, war, dass ich den Piloten schon von vergangenen Flügen kannte und mir dann gedacht habe „Okay, wenn der das jetzt nicht kann, dann wüsste ich nicht, wer sonst.“.

Sarah: Turbulenzen sind glaube ich der Hauptgrund, warum viele Menschen mit einem unguten Gefühl fliegen. Kannst du erklären, wie sie entstehen und ob sie gefährlich sind? 

Caro: Turbulenzen können entstehen, wenn das Flugzeug auf Widerstand trifft. Das einfachste Beispiel sind Wolken, da wackelt es ja eigentlich immer, wenn das Flugzeug durch sie hindurch fliegt. Gerade auf Kurzstreckenflügen kann es natürlich sein, dass man durch zu wenig Abstand in die Schleppwinde eines größeren Flugzeuges gerät, das voran geflogen ist, dadurch entstehen auch Turbulenzen. Das Wetter spielt natürlich auch eine große Rolle. Piloten vermeiden es natürlich, durch Gewitterwolken zu fliegen. Es gibt vorne im Cockpit einen Wetterradar, der alles, was als Widerstand fürs Flugzeug erkennbar ist, anzeigt. Manchmal ist es aber einfach nicht zu vermeiden, da muss man dann einfach durch. Es gibt auch sogenannte Clear Air Turbulences, die auf dem Radar gar nicht erkennbar sind und ganz plötzlich auftreten. Sie entstehen durch den Wind und unterschiedliche Strömungen. Ich finde, solange man angeschnallt auf seinem Sitz sitzt, ist alles gut und man muss sich keine Sorgen machen. Das Problem ist, wenn man dann gerade im Gang steht, da kann man sich dann schon verletzen, wenn es etwas kräftiger wackelt oder man plötzlich absackt.  An sich sind Turbulenzen aber nichts schlimmes oder gefährliches.

Sarah: Jeder 4. Deutsche soll laut der Zeit Angst vorm Fliegen haben. Wie erklärst du dir das und kannst du das nachvollziehen? 

Caro: Ich kann es auf jeden Fall nachvollziehen, aber persönlich nicht zu 100% verstehen. Ich selbst bin einfach nicht davon betroffen und weiß nicht, wie man sich fühlt, wenn man Flugangst hat. Aber ich kann mir vorstellen, dass für viele Menschen das Problem ist, dass man die Kontrolle komplett abgibt. Du weißt nicht, wer vorne im Cockpit sitzt und dazu bist du auch noch in der Luft, du kannst nicht mal eben aussteigen, wenn du dich unwohl fühlst. Wenn du Auto fährst, hast du immer den Eindruck, du hast es selbst in der Hand. Letztendlich können aber auch andere Menschen für einen Unfall verantwortlich sein, so sicher du auch fährst. Man muss komplett vertrauen und die Kontrolle abgeben. Ich treffe immer wieder auf Passagiere mit Flugangst. Oft fragen Passagiere schon beim Einsteigen, ob es denn heute wackeln wird und wie denn der Pilot so ist. Da weiß man dann schon, dass sie nicht ganz angstfrei an Board gehen. Ich versuche dann, die Angst nicht noch zu verstärken, indem ich zu sehr darauf eingehe. Ich möchte ihnen aber das Gefühl geben, dass wir das im Griff haben und Zuversicht auszustrahlen, um die Stimmung etwas zu lockern. Dann schaut man vor dem Start nochmal bei demjenigen vorbei, bringt nochmal ein Glas Wasser vorbei und versucht, ihn auf andere Gedanken zu bringen. Oft helfen sich auch Reisende untereinander, sprechen sich gut zu und beruhigen sich, was für mich immer ganz schön zu sehen ist.

Sarah: Zum Abschluss: Hast du vielleicht noch Tipps für Langstreckenflüge? 

Caro: Das Wichtigste auf einem Langstreckenflug ist es eigentlich, sehr viel Wasser zu trinken. Man verliert durch die trockene Luft sehr viel Flüssigkeit, was einem oft gar nicht so bewusst ist. Dadurch geht man natürlich auch öfter zur Toilette und steht kurz auf, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Außerdem kann man auch immer noch die Flugbegleiter fragen, ob sich die Reise noch irgendwie angenehmer gestalten lässt.

Caro ist leidenschaftliche Flugbegleiterin und hätte am Anfang gar nicht gedacht, dass sie ihren Job mal so lieben würde. Sie hat Hals über Kopf angefangen und ist süchtig nach fliegen geworden (Ich kann dich so gut verstehen!). Jeder Monat ist anders, jeder Flug ist anders. Man hat auf jeder Reise immer ein schönes Erlebnis und sie kann es sich noch lange Jahre vorstellen.

Ich habe gemerkt, dass ich Caro beim Interview mit großer Begeisterung zugehört habe. Es ist auf gar keinen Fall ein gewöhnlicher Job und bringt viel Abwechslung mit sich. Ich fand es sehr spannend, mal etwas über den Alltag einer Flugbegleiterin zu erfahren und einen kleinen Einblick gewinnen zu können.

Ihr könnt Caro auf ihrer Reise um die Welt auf Instagram folgen, wo sie hin und wieder ein Bild von ihren Abenteuern hochlädt:

 

 

 



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